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II. Wie wird der Satz definiert?


Date: 2015-10-07; view: 460.


Es gibt in der Grammatik über 220 Satzdefinitionen. In der Geschichte der Syntaxforschung lassen sich 2 Tendenzen verfolgen:

1. der Satz wird vom Standpunkt der Logik, Psychologie des Denkens definiert;

2. der Satz wird vom Standpunkt der “innersprachlichen” Charakteristiken betrachtet. Es handelt sich um die sog. innersprachliche Definition des Satzes.

Die erste Tendenz findet ihren Ausdruck in der logischen Satztheorie, in der psychologischen Satzlehre. Die logische Satztheorie betrachtet den Satz als Ausdruck des logischen Urteils (Becker, Blatz, Vernaleken, Engelien). Mit dieser Definition wurde die kognitive Funktion des Satzes richtig erfasst. Aber diese Definition ist zu allgemein, sie spiegelt die Vielfalt der Satzgestaltung nicht wieder.

Die psychologische Satztheorie strebte danach, die psychologischen Prozesse in der Satzdefinition wiederzuspiegeln. Es wurden 2 Modelle der Psychologie der Satzgestaltung vorgeschlagen. Das erste Modell von Herm. Paul wurde auf Grund der psychologischen Assoziationstheorie entwickelt. Er erklärte den Satz als sprachlichen Ausdruck der Verbindung zweier Vorstellungen in der Seele des Sprechenden. Der Begründer des zweiten Modells Wilhelm Wundt deutete den Satz als das Ergebnis der Aufgliederung eines im Bewußtsein vorhandenen Ganzen in seine Teile.

H.Paul betonte als erster den kommunikativen Charakter des Satzes und die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Sprecher und Hörer für das Verständnis des Wesens eines Satzes. In der deutschen Grammatik ist heute die Bestimmung des Satzes als eine kommunikative Einheit sehr verbreitet (Schmidt, Erben, Admoni, Sinder, Strojewa).

Die 2. Tendenz in der Satzforschung beruht auf den innersprachlichen streng formalgrammatischen Kriterien (W.Jung, Delbrück, Glinz). W.Jung betrachtet den Satz als seine durch das Verb gestaltete, grammatisch gegliederte Einheit. Delbrück (und Glinz) zeigt ein anderes formelles Kriterium für die Ausgliederung des Satzes – die Stimmführung und Pausierung. Diese Satzdefinitionen geben das wesentlichste Charakteristikum der grammatischen Form des Satzes. Sie sagen aber nichts über das Wesen des Satzes und seine Besonderheiten im Vergleich zu den anderen Grundeinheiten der Sprache.

Ries war einer der ersten deutschen Grammatikforscher, der bei der Satzdefinition Inhalt und Form berücksichtigte. Er schrieb: ein Satz ist eine grammatisch geformte kleinste Redeeinheit, die ihren Inhalt im Hinblick auf sein Verhältnis zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringt.

 


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I. Das Wesen des Satzes. | III. Die Darstellungsverfaren der Struktur des Satzes.
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